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  • Michaela Simon

Was du über Sattelpflege wissen musst


Ledersättel sind nicht nur schön, wenn sie nagelneu sind, sie werden bei richtiger Pflege mit der Zeit sogar immer schöner. Wenn du die Sattelpflege bisher eher als notwendiges Übel betrachtet hast und dachtest, du reinigst das Ding mal so richtig und fettest es satt ein, damit du dann lange Ruhe hast, war das Ergebnis danach sicher keine Freude und deine Lust auf Lederpflege umso weniger. Denn "viel" hilft bekanntlich nicht immer viel. Als Motivation für alle, die mit der Lederpflege nicht allzu viel am Hut haben, sich aber noch keinen Groom leisten können (kleiner Scherz): Sattelpflege bedeutet, die Haltbarkeit deines Sattels zu verlängern und damit auch den Wert bestmöglich zu erhalten. Wie du es richtig anstellst, lange Freude an deinem Sattel hast und letzten Endes noch Zeit sparst, verrate ich dir in diesem Artikel. Aber auch alle, die Lederpflege bereits fix in ihren Stallalltag integriert haben, finden hier möglicherweise noch den ein oder anderen Kniff, den professionelle Grooms anwenden und Sattelhersteller empfehlen.

Leder ist Haut und wie du es auch bei deiner Haut beobachten kannst, gibt es zwei Extreme:

Zu trocken bedeutet schneller rissig und damit anfällig für tiefe Kratzer (ergo Verletzungen). Ein Reißverschluss deines Stiefels oder deiner Jacke kann an deinem Sattel bleibende Spuren hinterlassen, im schlimmsten Fall die Nähte aufreißen oder einen nachhaltigen Schaden anrichten.

Du schützt deinen Sattel vor dem Austrocknen, indem du ihn vor unnötiger Sonneneinstrahlung schützt und ihn regelmäßig mit Sattelseife und Fett behandelst. Auch kleine Kratzer, die manchmal unvermeidbar sind, lassen sich mit Lederfett wieder herausmassieren. Bei staubigen Bedingungen kann es helfen, wenn du bei der Pflege schön in alle Nahtfalten gehst, damit sich keine Staubkrusten bilden. Dazu kannst du eine kleine weiche Bürste mit etwas Fett benetzten, um schwer erreichbare Stellen bequem zu reinigen. Die fettige Bürste kannst du in einem wiederverschließbaren Plastikbeutel aufbewahren und hast so immer etwas griffbereit, um schnell drüberzupflegen.

Zu nass oder überfettet bedeutet für das Leder deines Sattels, dass es aufweicht. Vor allem an Stellen an denen das Leder besondere Zugkräfte und Spannungen aushalten muss, kann es sich nun dehnen. Wenn du schon weißt, dass es heute beim Training etwas nass werden kann, gib vorher noch einen leichten Fettfilm auf die Stellen, die sicher nass werden, somit kann sich das Leder nicht mit Wasser vollsaugen. Zum Trocknen kannst du den Sattel einfach bei normaler Raumtemperatur langsam trocknen lassen, jedoch nicht direkt vor oder über einem Heizgerät, da das nasse Leder dann zu schnell austrocknet und steinhart werden kann (das gilt übrigens nicht nur für den Sattel, sondern natürlich auch für das Zaumzeug oder Lederreitstiefel)!

Wie die einzelnen Teile deines Sattels richtig gepflegt werden

Deine Gurtstrupfen sowie die Steigbügelriemen und Lederzügel pflegst du am besten sparsam. Da die Gurtstrupfen meist verdeckt liegen sind sie vor äußeren Einflüssen besser geschützt als andere Teile deines Sattels, somit kannst du sie auch sparsamer pflegen. Achte darauf keine weichmachenden Pflegemittel wie Sattelseife an den Gurtstrupfen zu verwenden, genauso wenig wie einen schmierigen Fettfilm zu verursachen, das rächt sich meist schon beim nächsten Satteln. Gurtstrupfen werden nur mit einem feuchten Tuch und mit klarem Wasser gesäubert. Sattelseife hat die Eigenschaft, das Leder weich zu machen, was du bei deinen Gurtstrupfen natürlich nicht willst. Wenn es unbedingt notwendig ist, kannst du sie sparsam mit Fett versorgen.

Greife das Leder einfach bewusst an und du wirst merken, wann es Zeit für etwas Pflege ist.

Die Sitzfläche der meisten Sättel ist heutzutage mit einem weichen Formschaum unterlegt, das Leder darüber ist auch ein weicheres als an den Sattelblättern. Es versteht sich also fast von selbst, hier sparsam mit Sattelseife und Fett zu sein. Am Sattelkranz und am Vorstoß, da wo deine Hände, Martingalbefestigungen oder die Gerte gerne mal Kratzer hinterlassen, kannst du öfters mal mit etwas Fett drüber gehen.

Die Sattelblätter sind meist aus festerem Leder. Die untersten direkt am Pferd liegenden werden auch Schweißblätter genannt. Bei älteren Sätteln rollt sich die Sattelblatt-Kante direkt unter dem Steigbügelriemen oft ein und wird unangenehm hart, dem kannst du durch regelmäßige Pflege mit Sattelseife prima vorbeugen. Achte darauf, dass der Reißverschluss deiner Stiefel oder Chaps das Sattelblatt nicht zerkratzt.

Manche Materialien vertragen sich nicht besonders gut. Viele Gripreithosen bieten zwar super Halt irritieren jedoch die Sitzfläche deines Sattels. Manche Steigbügelriemen haben ebenfalls eine raue oder zu harte Oberfläche und können deinen Sattelblättern zusetzten. Die richtigen Materialien kombinieren und gute Pflege sind das einzige, das gröberen Schäden vorbeugt.

Raue Lederoberflächen und Klettverschlüsse (beispielsweise bei Klettpauschen) pflegst du einfach mit einer weichen Bürste. Bei Kunstleder oder Kunststoffoberflächen kannst du mit Sattelseife und Fett wenig ausrichten, du solltest jedoch auch diese Oberflächen ab und zu reinigen.

Viel hilft nicht immer viel

Es muss nicht immer die Generalreinigung sein, bei der man richtig einseift, fettet und dann poliert. Die meisten möchten ihren Sattel direkt vor dem anstehenden Turnier auf Hochglanz bringen, doch das bringt nicht immer den gewünschten Erfolg, weil der Sattel dann rutschig und schlechter zu sitzen ist, was du besonders beim Turnier nicht gebrauchen kannst. Wenn du bei deiner Sattelpflege schlau bist, musst du vor dem Auftritt in der Öffentlichkeit deinen Sattel nur nochmal mit etwas Fett "highlighten" und kannst dich auf dein Training konzentrieren.

Wann ist Sattelpflege also sinnvoll?

Wenn du ein bisschen darauf Acht gibst, erkennst du, wann wieder einmal eine Pflege nötig ist.

Immer wenn dein Sattel besonders viel aushalten muss, also wenn euch beim Ausritt z.B. der Regen böse überrascht hat oder der Boden sehr staubig war, aber auch bei langanhaltenden besonders trockenen Wetterlagen, die im Sommer genauso wie im Winter vorkommen können, ist es gut das Leder mit Fett zu versorgen.

Nach intensiven Trainingseinheiten, bei denen das Pferd so richtig geschwitzt hat, kannst du direkt danach die Unterseite des Sattels, also Kissen und Sattelblatt-Innenseiten mit Sattelseife reinigen. Im Schweiß ist immer Salz und diese kann das Leder auf Dauer angreifen. Ein leichter Fettfilm schützt das Leder auch hier und hält es geschmeidig. Zusätzlich schützt du deinen Sattel natürlich mit einer saugfähigen Satteldecke vor Schweiß. Wie regelmäßig du pflegen musst, ist immer abhängig davon wie intensiv du deinen Sattel beanspruchst und was er dabei aushalten muss.

Wie pflege ich bei welchen Bedingungen?

Es kann im täglichen Gebrauch reichen, kurz vor oder nach dem Reiten mit etwas Fett über die beanspruchten Stellen zu gehen und den gut sichtbaren Flächen etwas mehr Glanz zu verleihen. Die eigentliche Sitzfläche wirst du natürlich vor dem Reiten nicht Fetten, diesen Fehler macht man sicher nur einmal. Eine Pflege ist immer dann nötig, wenn dein Sattel besonders beansprucht wird, beispielsweise bei großer Hitze, viel Sonne und Staub am Außenplatz oder im Winter, wenn die Temperaturen auch in der Sattelkammer unter null sind (dann bringst du den Sattel zum Pflegen in einen warmen Raum und lässt ihn am besten für mehr als 12 Stunden dort). Bei Trockenheit gilt es, den Sattel vor dem Austrocknen zu schützen, indem du ihn mit etwas Sattelseife und warmen Wasser reinigst. Beim Nachfetten kommt es ganz auf das Leder deines Sattels an. Du erkennst eigentlich ganz einfach, wieviel gut ist. Ein leichter Glanz ist prima, denn daran siehst du, dass das Fett die Oberfläche des Leders gleichmäßig versiegelt und schützt. Wenn es "vor Fett trieft" und ein schmieriger Film entsteht, ist es zu viel des Guten. Wenn es draußen Minusgrade hat, achte darauf, nicht mit zu viel Wasser zu pflegen. Das Wasser dehnt sich aus, wenn es gefriert und kann das Leder aufbrechen (ein ähnlicher Effekt wie im Asphalt)!

Wie du deinen Sattel richtig lagerst, entscheidet ebenfalls über dessen Langlebigkeit. In feuchten und schlecht temperierten Räumen wird auch dein Sattel nach und nach ins Schwitzen kommen, besonders wenn du ihn mit der verschwitzten Satteldecke dort lagerst. Wenn du schon einmal einen Sattel schimmeln gesehen hast, kann das auch am Klima im Lagerraum liegen. Hier bist du und deine Stallgemeinschaft bestimmt gleichermaßen daran interessiert, dass eure Sattelkammer ein gutes Klima hat. Kleiner Tipp: wenn man sich gerne in der Sattelkammer aufhält, ist dort auch gutes Klima und man hat dort auch Spaß bei der Lederpflege. Wenn es der Platz erlaubt, kannst du deine Lederpflege im Winter auch nachhause verlagern, möglicherweise in einen beheizten Kellerraum, wenn die Pferdesachen in der Wohnung nicht so gerne gesehen sind.

Leder ist Haut, ähnlich wie beim Eincremen deiner Haut ist es wichtig, die Pflege gleichmäßig zu verteilen und einzumassieren, das tut auch dem Leder deines Sattels gut. Das Nachpolieren mit einem sauberen weichen Tuch versiegelt das Leder noch besser und nach einer Weile bekommt dein Sattel eine schöne Patina, die widerstandsfähig genug ist und mehr aushält. Darüber hinaus kannst du bei jedem Pflegen überprüfen, ob alle sicherheitsrelevanten Teile, wie z.B. Steigbügelfedern, funktionieren und die Gurtstrupfen intakt sind, das kann nie schaden und beugt unangenehmen Überraschungen im Ernstfall vor. Jeder Ledersattel ist ein Unikat und wird durch deine gezielte Pflege erst mit der Zeit so richtig schön. Möglicherweise habe ich dir jetzt etwas Lust auf Sattelpflege gemacht. Deine Mühe wird sich lohnen und du wirst jeden Tag aufs Neue Freude an deinem Sattel haben.

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